csr berichtspflicht nichtfinanzielle informationen

Was die CSR-Berichtspflicht für Sie bedeutet – Teil I: Offenlegung nichtfinanzieller Informationen

Dr. Thijs Willaert Soziale Verantwortung, Umwelt

Ab 2017 müssen etwa 6.000 Unternehmen in Deutschland und der EU jährlich über ihre Nachhaltigkeitsleistung berichten. Die EU-Richtlinie 2014/95/EU vom 22. Oktober 2014 schreibt vor, dass Unternehmen von öffentlichem Interesse und mit mehr als 500 Mitarbeitern Angaben zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen bereitstellen sollen. Zudem müssen Unternehmen über Maßnahmen zur Achtung der Menschenrechte und zur Korruptionsbekämpfung berichten. In dieser Beitragsreihe erklären wir Ihnen nicht nur, wer von der Verordnung genau betroffen ist, sondern bieten auch eine Hilfestellung für eine schmerzfreie Umsetzung der Vorgaben.

Diese Informationen wurden am 22. September 2016 aktualisiert.

Die Beitragsreihe

Dieser Beitrag ist Teil einer Beitragsreihe zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung. In den nächsten Beiträgen wägen wir die unterschiedlichen Rahmenwerke für die Berichterstattung gegeneinander ab. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Global Reporting Initiative (GRI), dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex sowie dem United Nations Global Compact. Melden Sie sich für den DQS Newsletter an, um weitere Beiträge zu diesem Thema bequem in Ihrem Postfach zu erhalten.

Für diejenigen, die  sich die Informationen nochmal in aller Ruhe durchlesen möchte, haben wir alle wesentlichen Informationen in einem umfassenden Whitepaper zusammengefasst. Den Link zum kostenfreien Download finden Sie hier.

Warum brauchen wir die Verordnung überhaupt?

Die Richtlinie 2014/95/EU dient dazu, das Vertrauen von Investoren und Verbrauchern zu stärken, indem durch die Offenlegung von nachhaltigkeitsrelevanten Daten die Transparenz erhöht wird. Zudem erwartet die EU, dass die neue Rechenschaftspflicht einen weiteren Anreiz schafft, Nachhaltigkeit stärker in Unternehmensstrategien zu verankern.

Für Unternehmen, die bereits jetzt umfassend über ihre Nachhaltigkeitsperformance berichten, bringt die Richtlinie höchstens einige wenige Änderungen. Der größte Transparenzgewinn soll vor allem bei Unternehmen, die bisher überhaupt nicht oder nicht hinreichend konkret über ihre Nachhaltigkeitsleistung berichtet haben, entstehen.

Welche Unternehmen sind von der CSR-Berichtspflicht betroffen?

Insgesamt trifft die Richtlinie zur Offenlegung nichtfinanzieller Information auf etwa 6.000 Unternehmen in der EU zu. Für Deutschland ist der Anwenderbereich in einem Mitte März veröffentlichten Referentenentwurf des BMJV beschrieben. Demnach gilt die Berichtspflicht für kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften, Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen, die an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen eine Bilanzsumme von 20 Mio. Euro oder Umsatzerlöse von 40 Mio. Euro und zugleich die Zahl von 500 Arbeitnehmern (im Jahresdurchschnitt) überschreiten. Achtung: Im Gegensatz zur EU-Direktive schließt der aktuelle Entwurf des BMJV auch haftungsbeschränkte Personengesellschaften und Genossenschaften im Anwenderkreis mit ein.

Für Konzerne sieht die Richtlinie vor, dass die Offenlegung auf Konzernebene stattzufinden hat. Tochtergesellschaften sind in diesem Fall von der Berichtspflicht befreit.

Zeitplan: Aktueller Stand & Empfehlungen

Ab dem Geschäftsjahr 2017 tritt die Berichtspflicht für nichtfinanzielle Informationen in Kraft.  Das heißt, dass betroffene Unternehmen 2018 alle relevanten Daten und Kennzahlen für das Jahr 2017 veröffentlichen. Der letztmögliche Termin für die Offenlegung richtet sich nach der Frist für die Einreichung des Jahresabschlussberichts oder, falls sich das Unternehmen dazu entscheidet, einen separaten Nachhaltigkeitsbericht außerhalb des Jahresabschlussberichts zu veröffentlichen, spätestens sechs Monate nach dem Abschlusstag.

Tipp
Obwohl die eigentliche Veröffentlichung der Nachhaltigkeitsdaten also erst 2018 stattfinden muss, empfehlen wir Ihnen dringend, sich jetzt schon mit der Vorbereitung und Planung auseinanderzusetzen. Denn bevor an eine Veröffentlichung überhaupt zu denken ist, gibt es einiges zu tun:

  • Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzeptes und einer –strategie, sofern noch nicht vorhanden
  • Einbindung der wesentlichen Interessengruppen (Stakeholder Engagement)
  • Identifikation der wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekte und –risiken (siehe unten)
  • Identifikation von bestimmten Indikatoren und Zielsetzungen, Messungsprozesse definieren
  • Datenerfassung
  • Datenkontrolle
  • Redaktionelle Vorbereitung

Um sicherzustellen, dass Sie für das gesamte Geschäftsjahr 2017 die richtigen Kennzahlen erfassen, sollten Sie also spätestens Ende 2016 ein Nachhaltigkeitskonzept intern vorliegen haben.

Leicht macht es Ihnen der Gesetzgeber allerdings nicht: Die Mitgliedsstaaten haben bis Dezember 2016 Zeit, die EU-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Auch der unverbindliche Leitfaden mit Umsetzungsempfehlungen wird vermutlich erst Ende 2016 veröffentlicht.

Mit großen Überraschungen ist in Deutschland allerdings nicht mehr zu rechnen: Laut dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMHV) wird die EU-Richtlinie entsprechend dem Koalitionsvertrag und dem Beschluss des Bundeskabinetts vom 11. Dezember 2014 grundsätzlich eins zu eins umgesetzt.

Der Mitte März veröffentliche Referentenentwurf des BMJV zur Umsetzung der EU-Richtlinie scheint dies mit wenigen Ausnahmen zu bestätigen.

Update – 22. September 2016

Am 21. September hat das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz den bereits seit längerem erwarteten Regierungsentwurf zum „Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz)“ ins Bundeskabinett eingebracht.

Im Vergleich zu dem oben erwähnten Referentenentwurf sind keine größere inhaltliche Änderungen zu verzeichnen. Den aktuellen Entwurf finden Sie hier.

Nichtfinanzielle Information CSR Berichtspflicht

Kernthemen und mögliche Unterpunkte

Welche nichtfinanziellen Informationen muss man genau offenlegen?

Unternehmen, die unter die Berichtspflicht fallen, müssen sich zu folgenden Themen äußern:

  1. Umweltbelange (z.B. Angaben zu Treibhausgasemissionen, zum Wasserverbrauch, zur Luftverschmutzung, zur Nutzung von erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energien oder zum Schutz der biologischen Vielfalt)
  2. Arbeitnehmerbelange (z.B. Angaben zu Maßnahmen, die zur Gewährleistung der Geschlechtergleichstellung ergriffen wurden, zu Arbeitsbedingungen, zur Achtung der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Gewerkschaften, zum Gesundheitsschutz oder zur Sicherheit am Arbeitsplatz)
  3. Sozialbelange (z.B. Angaben zum Dialog auf kommunaler oder regionaler Ebene oder zur Sicherstellung des Schutzes und der Entwicklung lokaler Gemeinschaften ergriffenen Maßnahmen)
  4. Menschenrechte (z.B. Angaben zur Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen)
  5. die Bekämpfung von Korruption und Bestechung

Zu den genannten Aspekten sind im Bericht jeweils die folgenden Angaben zu machen, wenn sie für das Verständnis der CSR-Performance relevant sind:

  • eine Beschreibung der verfolgten Strategie, Konzepte und Maßnahmen
  • eine Beschreibung der angewandten Due Diligence-Prozesse
  • die Ergebnisse der von der Kapitalgesellschaft verfolgten Strategie in Bezug auf die fünf oben genannten Aspekte
  • die wesentlichen Risiken, die mit der eigenen Geschäftstätigkeit verknüpft sind und die schwerwiegende negative Auswirkungen auf die fünf oben genannten Aspekte haben können sowie die Handhabung dieser Risiken
  • die wichtigsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, die für die Geschäftstätigkeit von Bedeutung sind
  • soweit es für das Verständnis erforderlich ist, Hinweise auf im Jahresabschluss ausgewiesene Beträge und zusätzliche Erläuterungen dazu

Das ist aber wenig konkret, oder?

Weder in der EU-Richtlinie 2014/95/EU noch im Referentenentwurf des BMJV ist eindeutig festgelegt, welche Kennzahlen und Daten Sie genau offenlegen zu haben.

Vielmehr ist es die Aufgabe der betroffenen Unternehmen selbst zu identifizieren, welche Daten und Angaben für das Verständnis der CSR-Performance erforderlich sind. Die Berichtspflicht folgt dem Wesentlichkeitsansatz, wie wir ihn bereits von der Global Reporting Initiative und dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex kennen: Es sind nur diejenigen Informationen offenzulegen, die für das Verständnis des Geschäftsverlaufs und der Lage des Unternehmens und der Auswirkungen seiner Tätigkeiten erforderlich sind. Eine ausführliche Beschreibung des Wesentlichkeitsprinzips (eng. „Materiality“) finden Sie hier.

Sofern zu einem oder mehreren Themen keine Strategie verfolgt wird, ist dies zu begründen („report or explain“). Der „report or explain“-Ansatz gilt nicht für wesentliche Risiken: alle wesentlichen Risiken müssen berichtet werden.

Inwiefern ist die Lieferkette in der Berichtspflicht mit eingeschlossen?

Auch hier gilt: Stellt die Lieferkette ein wesentliche Risiko in Bezug auf die fünf oben genannten Themen dar, muss das berichtspflichtige Unternehmen sein Konzept für Nachhaltigkeit in der Lieferkette offenlegen, die getroffene Maßnahmen schildern und die Wirksamkeit beschreiben. Zugleich wird aber das Gebot der Verhältnismäßigkeit bei einer Weiterreichung der Berichtspflichten an die Zulieferer betont.


Global Reporting Initiative Deutscher NachhaltigkeitskodexKeine Panik – Vielleicht machen Sie jetzt schon alles richtig?

Sie haben sich vorgenommen, sich durch den 66-seitigen Referentenentwurf und die EU-Richtlinie zu kämpfen? Wir möchten Sie gar nicht davon abhalten, bezweifeln aber, ob Sie dadurch viel schlauer werden. Weder die Richtlinie 2014/95/EU noch der Referentenentwurf sind anwenderfreundlich. Vielmehr schaffen sie rechtliche Vorgaben, welche die betroffenen Unternehmen durch die Umsetzung bereits bestehender Rahmenwerke wie die Global Reporting Initiative und den Deutschen Nachhaltigkeitskodex einhalten können.

Berichte, die nach diesen beiden Rahmenwerken erstellt wurden, werden auch den Vorgaben der EU entsprechen. Gleichzeitig erstellt die EU-Kommission zurzeit Berichtskriterien, die spätestens zum Zeitpunkt der nationalen Umsetzung vorliegen sollen. Diese Kriterien sind aber nicht bindend und kommen unserer Meinung nach reichlich spät.

In zweiten Teil dieser Beitragsreihe gehen wir auf mögliche Rahmenwerke für die Umsetzung ein. Folgen Sie uns auf LinkedIn und Xing oder melden Sie sich für unseren Newsletter an, um den zweiten Teil bequem in Ihrem Postfach zu erhalten.

Dr. Thijs Willaert Administrator
Dr. Thijs Willaert is Director of Marketing & Communication at DQS CFS GmbH
Folgen
×
Dr. Thijs Willaert Administrator
Dr. Thijs Willaert is Director of Marketing & Communication at DQS CFS GmbH
Latest Posts
  • IFS Academy Schulungen
  • ISO-22301-2019-Revision-Änderungen
  • FAMI-QS 6_Zertifizierung Futtermittel