Steuern und Zahlungen an Regierungen – GRI entwickelt neuen Standard

Constanze Illner

Haben Sie Rutger Bregman’s Intervention beim World Economic Forum in Davos gesehen? Dann wissen Sie ja, dass Steuertransparenz ein wichtiger Aspekt von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung ist. Um diese Transparenz voranzutreiben, veröffentlicht die Global Reporting Initiative nun einen neuen Reporting Standard für Steuerzahlungen.

„Es muss über Steuern gesprochen werden“ sagt der holländische Historiker Rutger Bregman bei einer Podiumsdiskussion beim World Economic Forum 2019 in Davos. „Das ist es, Steuern, Steuern, Steuern.“ Die Videoaufzeichnung der Intervention geht durch die Decke, es sammelt sich der Zuspruch von Menschen und Organisationen weltweit. Über die Auffassung, dass die Zahlung eines gerechten Anteils an Steuern ein Grundelement der sozialen Verantwortung und gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen darstellt, herrscht Konsens.

Der neue Reporting Standard, entwickelt vom Global Sustainability Standards Board (GSSB) der GRI, legt seinen Schwerpunkt auf genau dieses Thema – Steuerzahlungen. Firmen sollen so in der Lage sein, transparent und ausgewogen über ihre Steuerstrategie und ihre Zahlungen zu berichten. Der Standard ist im Moment für öffentliche Kommentare freigegeben und wird aller Wahrscheinlichkeit nach im Verlauf des Jahres 2019 veröffentlicht.

Was müssen berichtende Organisationen offenlegen? 

Organisationen, die in Übereinstimmung mit dem neuen Standard berichten, müssen folgende Informationen offenlegen:

  • Managementansatz bezüglich spezifischer Steuerbestandteile. Das betrifft den Inhalt der Steuerstrategie und die Berücksichtigung der ökonomischen und sozialen Folgen, die Steuern und Zahlungen an die Regierung haben und der Einfluss dieser Überlegungen auf die Business-Strategie des Unternehmens . Außerdem soll das Steuermodell, die Steuerrisikoidentifizierung und dessen Management sowie das Vorgehen in Bezug auf Stakeholder Engagement offen gelegt werden genauso wie das Management von Anliegen der Stakeholder in Bezug auf Steuern und Zahlungen an Regierungen.
  • Die steuerbezogenen Daten pro Land, für jedes Land in dem die Organisation aktiv ist (das sog. „Country-By-Country Reporting“)

Welche Vorteile bringt der Standard?

Richtig eingesetzt kann die Verwendung des neuen GRI Standards substanzielle Vorteile bieten, sowohl für berichtende Organisationen als auch für deren Stakeholder. Dr. Sied Sadek, Lead Certified Sustainability Assurance Practitioner und Geschäftsführer von DQS CFS sieht großen Nutzen in dem neuen Standard: „Unternehmen, die transparent über ihre Steuerstrategie und Zahlungen berichten, sind in einer sehr viel glaubwürdigeren Position, wenn es um soziale Verantwortung geht. Für sie ist es eine gute Möglichkeit, einen Beitrag zur Gesellschaft zu demonstrieren. Darüber hinaus bereiten sich Unternehmen auf künftige regulatorische Anforderungen vor: denn nicht nur die EU, sondern auch andere Länder intensivieren den Druck auf Unternehmen, öffentlich über ihre Steuern auf einer Country-By-Country Basis zu berichten.“

Von dem neuen Standard werden jedoch nicht nur die berichtenden Organisationen profitieren, sondern auch deren Stakeholder. Viele Investoren haben sich bereits für eine größere Steuertransparenz ausgesprochen, um so dem Gefahrenpotential entgegenzuwirken, welches von mangelnden Informationen bezüglich der Steuerpraktik ausgeht.

Ist der GRI Steuerstandard etwas für Ihre Organisation?

Die GRI Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung setzen nicht voraus, dass ein Unternehmen nach allen GRI Standards berichtet. Stattdessen möchte GRI, dass Unternehmen nur zu den Themen berichten, die für ihre Stakeholder von Interesse sind und/oder einen signifikanten ökonomischen, ökologischen oder sozialen Einfluss haben. Die Frage, ob das Thema Steuern für Ihre Organisation relevant ist, kann lediglich durch eine ausführliche Bewertung der Wesentlichkeit beantwortet werden.

Unabhängig davor lässt sich sagen, dass der Standard wohl für multinationale Unternehmen besonders relevant ist, da diese in mehreren Ländern operieren und es oft nicht klar ist, wo die Steuern gezahlt werden. Eine andere Gruppe, für die der Standard möglicherweise interessant ist, sind Firmen die natürliche Ressourcen (Forstwirtschaft, Bergbauindustrie, …)  in einem Land abbauen aber in einem anderen Land ihren Profit machen.

Zeitplan

Der GRI Steuerstandard ist im Moment lediglich als Entwurfsversion erhältlich. Stakeholder sind dazu eingeladen bei der öffentlichen Befragung teilzunehmen. Diese läuft noch bis zum 15. März 2019. Aktuelle Neuigkeiten erfahren Sie in unserem Newsletter.

Externe Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten

DQS CFS ist lizensierter Prüfer für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ein sogenanntes Assurance Engagement ist eine unabhängige Prüfung der offengelegten Informationen auf Qualität und Richtigkeit. Mit erfahrenen Gutachtern weltweit ist DQS Ihr Partner für die Prüfung von Berichterstattungen – auch ohne den neuen GRI Standard. Kontaktieren Sie uns und besprechen Sie mit uns Ihr Projekt.

Constanze Illner Administrator
Constanze Illner is Marketing & Communication Officer at DQS CFS GmbH
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