Lieferkettenrisiko China? Erkenntnisse aus der Jiangsu-Explosion

Dr. Thijs Willaert Neuigkeiten, Soziale Verantwortung, Umwelt

Am 21. März kam es in einer Chemiefabrik in Jiangsu, China, zu einer verheerenden Explosion. 78 Menschen kamen ums Leben, etwa 617 Personen wurden verletzt. Leider ist die Explosion kein Einzelfall, sondern einer von vielen tödlichen Unfällen in der Volksrepublik. Unternehmen, deren Lieferkette bis nach China reicht, empfehlen wir, sicherzustellen, dass die Due-Diligence-Prozesse angemessen sind.

Die Explosion in Jiangsu ist die neueste von vielen tödlichen Explosionen in Chemiewerken. Eine Explosion in Tianjin im Jahr 2015 tötete 173 Menschen (Quelle), eine weitere im chinesischen Dongying tötete im selben Jahr 13 (Quelle) und 23 Menschen starben 2017 bei einer Explosion in der Provinz Hebei (Quelle). Allerdings ist nicht nur die Chemiebranche betroffen: Bei einer Explosion in einer Autoteilefabrik wurden 146 Mitarbeiter getötet und 114 weitere (Quelle) in Kunshan, Jiangsu, verletzt.

Katastrophen wie diese betreffen ohne Zweifel am stärksten die Mitarbeiter: Viele von ihnen verlieren ihr Leben, ihre Gesundheit, ihren Job. Indirekt bekommen allerdings auch die Kunden der betroffenen Werke Auswirkungen zu spüren:

• Lieferausfälle können zur Verknappung von (Roh-) Materialien, Preissteigerungen und Produktionsausfälle führen
• Die mangelhaften Arbeitsbedingungen beim Lieferanten wirken sich negativ auf die Nachhaltigkeitsleistung des Kunden aus
• Wie das Gerichtsverfahren von pakistanischen Arbeitern gegen den deutschen Textil-Discounter KiK gezeigt hat, können Kunden vor Gericht gezogen werden, wenn die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette nicht den erforderlichen Standards entsprechen
• Unfälle in der Lieferkette wirken sich negativ auf den Ruf und das Image des Kunden aus

Aus diesen Punkten ergibt sich eine klare Schlussfolgerung: Ein Risiko in Ihrer Lieferkette ist ein Risiko für Sie.

Lieferkettenrisiken managen: Due Diligence bezüglich Arbeitssicherheit und Menschenrechte

Wenn die Sicherheit der Arbeitnehmer in Ihrer Lieferkette systematisch gefährdet ist, wird von Ihnen erwartet, dass Sie sich mit diesem Risiko auseinandersetzen – auch wenn Sie selbst die Arbeitsbedingungen nur indirekt beeinflussen können. Due Diligence, so nennt sich der Risikomanagementprozess, der negative Auswirkungen auf die Rechte der Arbeitnehmer in Ihren Betrieben und Ihrer Lieferkette erkennt und sie verhindert bzw. abmildert.

Zurück zu der Explosion in Jiangsu: Welche Maßnahmen können getroffen werden, um solche Unfälle bei Ihrem Lieferanten vorzubeugen?

  1. Bestimmen Sie das Risikoniveau Ihrer Lieferanten: Bei der Risikobewertung werden in der Regel Faktoren wie Standort, Geschäftstätigkeit, Auditergebnisse, Zertifikate und Daten aus Umfragen berücksichtigt. In dem Fall Jiangsu hätte die Tatsache, dass mit hochexplosiven Chemikalien gearbeitet wird sowie die schlechte Bilanz der Region in Sachen Arbeitssicherheit zu einer Einstufung als Hochrisikolieferant führen müssen.
  2. Konkrete Gefahren ermitteln: Sobald ein Lieferant als risikoreich eingestuft wurde, ist es notwendig, die Situation vor Ort besser zu verstehen. Dies kann durch Besuche vor Ort, Sicherheitsinspektionen und Sozialaudits erreicht werden.
  3. Maßnahmen zur Risikominderung ergreifen: Wenn Schritt 2 bestätigt, dass der Lieferant Risiken mit sich bringt, die Sie nicht tragen möchten, müssen Sie Maßnahmen ergreifen, um dieses Risiko auf ein akzeptables Maß zu reduzieren. Dies umfasst in der Regel eine Kombination aus Zusammenarbeit mit dem Lieferanten zur Verbesserung der Sicherheit am Arbeitsplatz, dem Schließen von Lücken und Nichtkonformitäten sowie Audits, um den Fortschritt zu verfolgen und zu überprüfen. Gelingt es nicht, das Risiko zu mindern, beispielsweise, weil der Lieferant nicht mitwirkt, kann es notwendig sein, die Kundenbeziehung zu beenden.

Ob die Jiangsu-Katastrophe so hätte vermieden werden können, ist ungewiss. Sicher ist jedoch, dass Unternehmen zunehmend für die Arbeitsbedingungen in ihrer Lieferkette verantwortlich gemacht werden. Der Druck, sich mit den Arbeitssicherheitsplänen von Lieferanten auseinanderzusetzen, nimmt weiter zu. Zwar erwartet niemand, dass Unternehmen Unfälle gänzlich ausschließen können, es wird jedoch erwartet, dass die gebührende Sorgfalt eingehalten wird. Genau das ist Due Diligence.

Wie die DQS Sie unterstützen kann

Die DQS verfügt weltweit über hochqualifiziertes Personal, China ist da keine Ausnahme. Mit 12 Büros auf dem chinesischen Festland verfügen wir über ortsansässige Auditoren und Gutachter, die mit der lokalen und regionalen Situation vertraut sind. Alle Dienstleistungen werden unter der technischen Aufsicht der DQS Gruppe erbracht.

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Dr. Thijs Willaert Administrator
Dr. Thijs Willaert is Director of Marketing & Communication at DQS CFS GmbH
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