#Standardfragen – Experteneinblicke in die Welt der Standards

Constanze Illner

Christine Flöter ist bei der DQS CFS für die Regelwerke von IFS und BRCGS zuständig und bringt mehr als 20 Jahre Expertise im Bereich Lebensmittelstandards mit. Wir haben die Chance genutzt und ihr ein paar Fragen gestellt – #Standardfragen eben.

Lebensmittelsicherheit ist…

Flöter: Ganz kurz gesagt: Sicherheit und Vertrauen für den Verbraucher.

Wer sind Sie, was ist Ihr Job und für welche Regelwerke sind Sie bei der DQS CFS zuständig?

Flöter: Mein Name ist Christine Flöter, ich bin Mitarbeiterin der DQS CFS und betreue die Regelwerke IFS und BRCGS, das heißt die gesamte Familie rund um den IFS International Featured Standards und BRCGS. Ich bin zuständig einmal für das Business Development und für die Einhaltung der Vorgaben von Standardinhabern und Akkreditierern.

Bei den letzten Revisionen der Standards für Lebensmittelsicherheit gab es einige Änderungen – welche war für Sie besonders wichtig und warum?

Flöter: Die Standards, die ich betreue, werden alle durch die GFSI sozusagen mitkoordiniert bzw. Vorgaben kommen über die GFSI. Sie betreffen also nicht nur einen IFS oder BRCGS Standard, sondern eben alle Standards, die darunterfallen. Da geht es hauptsächlich um die Themen Food Fraud, Lebensmittelbetrug, Lebensmittelfälschung oder Produktbetrug bzw. Produktschutz. Darüber hinaus ist auch das Thema Lebensmittelsicherheitskultur („Food Safety Culture“) wichtig. Das sind die zwei wesentlichen Änderungen, die über die neuen Revisionen jetzt hereingekommen sind und die die Unternehmen sehr stark beschäftigen.

Zum Thema Food Fraud haben Sie bereits Audits durchgeführt – welche Abweichungen sind besonders häufig und was würden Sie Kunden vor dem Audit gerne sagen, um diese Abweichungen vorzubeugen?

Flöter: Die Themen, insbesondere Lebensmittelbetrug, sind so neu, dass sich die Industrieseite aber auch die Auditoren damit erst einmal eingehend beschäftigen müssen – wir alle haben da noch relativ wenig Erfahrung mit. Fälle, wie vor vielen Jahren der Pferdefleischskandal oder auch das Thema Olivenöl-Panscherei, haben die Industrie wachgerüttelt. Um dem vorzubeugen sollen jetzt alle Unternehmen für die Rohwaren, die sie beziehen (inklusive Verpackungsmaterialien) Maßnahmen ergreifen, die das Risiko einer Verfälschung oder eines Betrugs minimieren, vielleicht sogar ausschließen. Das ist so viel Neuland, dass die Unternehmen noch gar nicht richtig wissen, wie sie da mit einem möglichst guten, systematischen Ansatz rangehen, ohne zu viel Geld für Analysen ausgeben zu müssen, die vielleicht auch gar nicht erforderlich sind. Also müssen einerseits die Unternehmen erstmal etwas aufbauen und entwickeln. Andererseits gilt auch, dass Auditoren da noch ihre Erfahrungen sammeln müssen. In Bezug auf die Abweichungen kann ich Ihnen momentan noch relativ wenig sagen, weil wir alle gerade noch in diesem Prozess des Erlernens sind und Erfahrungen sammeln. Dahingehend wollen wir uns ja auch Austauschen, mit der Industrie, mit den Standardinhabern. Wir wollen gucken, wie man das Ganze vervollständigen kann und es zu einem guten, umfassenden System machen kann, um guten Audits durchführen zu können.

Wo hakt es bei den Kunden am meisten? In welchem Bereich sehen Sie als Auditorin das größte Verbesserungspotential?

Flöter: Eine generelle Abweichung, die immer wieder festzustellen ist, betrifft den Bereich der Rohwaren und des Einkaufs. Hier muss sichergestellt werden, dass die Rohwaren, die bezogen werden, bestimmten Anforderungen genügen, die auch die Standardeigner gerne sehen möchten. Das heißt: HACCP Sicherheitskriterien müssen auch seitens der Lieferanten erfüllt werden – und dafür muss der Einkauf Sorge tragen. Es gibt in den Standards ganz klare Kriterien: „Hat das Unternehmen ausreichende Hygienekonzepte, Sicherheitskonzepte, die die Rohwaren sicher machen?“ Aber es gibt Einkaufsabteilungen, die noch immer fokussiert sind auf Preis, auf Liefertreue, Umgang mit Beschwerden, Verfügbarkeit der Rohwaren. Das ist aber nicht der Fokus der Lebensmittelsicherheit. Man möchte hier wirklich die Lebensmittelsicherheit der Rohwaren gewährleistet haben und da sind dann doch immer wieder mal Abweichungen festzustellen, wenn man die Audits in den Abteilungen des Einkaufs durchführt.

Plastik in der Umwelt, Treibhausgas-Emissionen, intensive Landnutzung, zurückgehende Artenvielfalt – sowohl die Verpackungsindustrie als auf die Lebensmittelindustrie sind eng verwickelt mit den großen Problemen unserer Zeit. Sind Standards in der Lage, die Probleme einzudämmen?

Flöter: Leider ist das Thema Nachhaltigkeit und Umwelt noch nicht ganz im Fokus dieser Standards. Der Fokus dieser Standards ist derzeit Lebensmittelsicherheit. Vielleicht entwickelt sich das noch über die Jahre, aber derzeit ist eine solche Entwicklung nicht zu erkennen.

Würden Sie sich wünschen, dass Lebensmittelstandards mehr auf das Thema Nachhaltigkeit eingehen?

Flöter: Schwierig. Auditoren müssen immer einen gewissen Qualifikationsprozess durchschreiten, sie müssen gewisse Erfahrungen, Kompetenzen, Qualifikationen mitbringen. Wenn ein Auditor ausgebildet ist in dem Bereich Lebensmittelsicherheit dann hat er diesen Fokus. Wenn wir über Nachhaltigkeitsthemen sprechen, dann ist das ein anderer Pfad den wir dann verfolgen müssten. Ein Auditor, der von der Lebensmittelsicherheit kommt und auf einmal in Richtung Nachhaltigkeit, Umweltthemen gehen muss, ich glaube das passt nicht ganz, das beißt sich eventuell. Wenn solche Themen in GFSI-Standards integriert werden sollen, werden wir sicherlich Auditoren brauchen, die eine ganz andere Qualifikation mitbringen, um diese Thema auch ausreichend auditieren zu können.

Welche Zukunftsentwicklung erwarten/wünschen Sie in Bezug auf Standards?

Flöter: Die Weiterentwicklung der Standards ist meiner Meinung nach wichtig. Es gibt Kritik, die sagt, dass die Standards immer zu viel Dokumentation verlangen. Das ist schwierig für die Unternehmen, und teilweise auch schwierig für die Auditoren. Vielleicht können wir wieder ein bisschen „back to the roots“ kommen und uns etwas mehr auf die Prozesse konzentrieren. Des Weiteren denke ich, dass das Thema Nachhaltigkeit interessant und wichtig ist und wir uns dahingehend orientieren können und müssen. Von daher erwarte und hoffe ich, dass auch die GFSI-anerkannten Standards für Lebensmittelsicherheit bald mehr in diese Richtung gehen werden. 
 

Sie haben auch eine Frage an Christine Flöter? Dann raus damit! Senden Sie uns Ihre Frage per Mail an constanze.illner@dqs.de oder teilen Sie Ihre Frage bei LinkendIn oder Twitter unter dem Hashtag #Standardfragen.

Constanze Illner Administrator
Constanze Illner is Marketing & Communication Officer at DQS CFS GmbH
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