Validierung der Human Rights Due Diligence: Sorgfalt belegen

Dr. Thijs Willaert Soziale Verantwortung

Die Debatte darüber, ob Deutschland die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht per Gesetz erzwingen muss, läuft noch. In den Nachbarländern Frankreich und den Niederlanden ist es schon beschlossene Sache – hier wurden bereits Maßnahmen getroffen, die multinationalen Unternehmen eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht auferlegen. Ob Deutschland nachfolgt oder nicht, bleibt abzuwarten. Unternehmen sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass eine Nichteinhaltung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht auch jetzt bereits schwere Konsequenzen mit sich bringen kann.

Kalifornien hat den Transparency in Supply Chains Act, Großbritannien und Australien den Modern Slavery Act, Frankreich den Loi de Vigilance und die Niederlanden den Child Labor Due Diligence Act. Ob sich Deutschland an diesen Ländern ein Beispiel nimmt, hängt von den Ergebnissen eines Monitorings ab, das derzeit im Auftrag der Bundesregierung durchgeführt wird. Sollte sich zeigen, dass deutsche Unternehmen ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht nicht ernst genug nehmen, wird ein Wertschöpfungskettengesetz eingeführt, dass Human Rights Due Diligence gesetzlich verankert. 

Obwohl es zwischen den oben genannten Gesetzesinitiativen Unterschiede gibt, überwiegen die Gemeinsamkeiten:

  • Sie erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht ernst zu nehmen und belastbare Due Diligence-Maßnahmen zu ergreifen
  • Sie fordern die Einhaltung der Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen
  • Sie legen fest, dass Unternehmen Verantwortung für die Einhaltung der Menschenrechte in ihren Lieferketten übernehmen müssen
  • Sie führen Sanktionen ein, für Unternehmen, die ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nicht nachkommen

Umsetzung: Was wird von Unternehmen verlangt?

Sowohl die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, der deutsche Nationale Aktionsplan (NAP) als auch die ausländischen Gesetzesinitiativen stellen folgende Erwartungen an Unternehmen:

  • Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte
  • Verfahren zur Ermittlung tatsächlicher und potentiell nachteiliger Auswirkungen auf die Menschenrechte
  • Maßnahmen zur Abwendung potentiell negativer Auswirkungen und Überprüfung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen
  • Berichterstattung
  • Einführung eines Beschwerdemechanismus oder Teilnahme an bestehenden Beschwerdeverfahren

Für die Umsetzung gibt es eine Vielzahl an Hilfestellungen und Leitfäden. Dazu zählen unter anderem die OECD Leitsätze für multinationale Unternehmen, die Leitfäden des Global Compacts sowie einige branchenspezifische Hilfestellungen.

Validierung durch die DQS: Sorgfalt belegen

Im Falle eines Rechtsstreits ist die Frage nach dem Grad an menschenrechtlicher Sorgfalt, der vernünftigerweise erwartet werden kann, oft entscheidend. Eine Validierung durch eine unabhängige Instanz wie die DQS ist ein Beleg dafür, dass ein Unternehmen seine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht ernst nimmt und wirksame Due Diligence-Prozesse eingeführt hat.

Zu den Vorteilen einer Validierung zählen unter anderem folgende Punkte:

  • Die Validierung durch eine unabhängige Instanz dient als Beleg dafür, dass Ihr Unternehmen angemessene Verfahren zur Einhaltung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht eingeführt hat
  • Die Validierung stärkt das Vertrauen der Investoren, Politik und Kunden
  • Die Prüfung bietet Ihnen die Gelegenheit, eventuelle Lücken in Ihrem Due Diligence-Konzept zu beseitigen

So läuft die Validierung Ihres Due Diligence-Konzeptes ab

Gemäß ISO/IEC 17029 ist eine Validierung eine Begutachtung, deren Zweck es ist, zu überprüfen, ob die vorgelegten Daten und Maßnahmen dazu ausreichen, das angestrebte Ziel zu erreichen.

  1. Selbstverpflichtung & Offenlegung des Managementansatzes

Ihr Unternehmen legt eine Verpflichtung der obersten Leitung zu den relevanten Leitsätzen und/oder Standards vor. In der Regel ist dies eine Verpflichtung zu den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen.

Des Weiteren legen Sie Ihren Managementansatz zur Einhaltung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht offen. Dies kann als Teil der Nachhaltigkeitsberichterstattung oder in einer separaten Erklärung erfolgen. Spätestens nach Abschluss der Validierung muss die Beschreibung des Managementansatzes öffentlich zugänglich gemacht werden.

  1. Dokumentenprüfung

Sie stellen dem Assessorenteam alle notwendigen Unterlagen zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem die Grundsatzerklärung, die Analyse potentieller und tatsächlicher nachteiliger Auswirkungen auf die Menschenrechte, Verfahrensanweisungen zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen sowie die Berichterstattung gemäß der operativen Leitprinzipien der Vereinten Nationen (Punkt 21).

  1. Validierung vor Ort

Unsere Assessoren führen Interviews mit den relevanten Abteilungen (CSR, Compliance, Einkauf, …) durch. Es wird geprüft, ob und wie die Selbstverpflichtung mit den Mitarbeitern kommuniziert wurde, ob die erforderlichen Ressourcen zur Durchführung einer Analyse der menschenrechtlichen Auswirkungen vorhanden sind und ob die ermittelten potentiellen und tatsächlichen Auswirkungen nachvollziehbar und plausibel sind. Auch wird sichergestellt, dass die getroffenen Maßnahmen dem Risikoprofil unter Berücksichtigung der Branche und Unternehmensgröße entsprechen. Darüber hinaus prüfen wir, ob die Berichterstattung transparent erfolgt und ob Verfahren zur Meldung und Wiedergutmachung existieren.

  1. Ergebnis: Das Assurance Statement

Nachdem der Validierungsprozess abgeschlossen ist, erstellen wir ein Assurance Statement, das Sie im Rahmen Ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlichen können. Das Testat bescheinigt, dass Ihr Due Diligence-Konzept dazu geeignet ist, die Leitsätze der Vereinten Nationen einzuhalten.

Veranstaltungstipp

Die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht gehört zu den Kernthemen der Sustainability Heroes Konferenz 2020. Sowohl KMU als auch Großkonzerne stellen im Rahmen der Konferenz ihr Konzept zum Schutz der Menschenrechte vor. Die Sustainability Heroes Konferenz, organisiert von der DQS und DGQ, findet am 12. Mai 2020 im Maritim Hotel Düsseldorf statt. Sichern Sie sich jetzt Ihren Platz!

DQS CFS GmbH – Deutsche Gesellschaft für Nachhaltigkeit

Alle Geschäftsstellen der DQS Gruppe haben ein gemeinsames Ziel:
Mit mehrwertstiftenden Begutachtungen zum nachhaltigen Erfolg unserer Kunden beitragen. Innerhalb der Gruppe bündelt die DQS CFS GmbH alle Zertifizierungs- und Auditdienstleistungen rund um die Themen Nachhaltigkeit und Verbrauchersicherheit. Neben der Zertifizierung von Qualitäts- und Produktsicherheitsmanagementsystemen umfasst dies auch die Durchführung von Lieferantenaudits, Inspektionen, Produktzertifizierungen und die Verifizierung von Nachhaltigkeitsberichten und -kennzahlen.

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Dr. Thijs Willaert Administrator
Dr. Thijs Willaert is Director of Marketing & Communication at DQS CFS GmbH
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