Taxonomie – Europäisches Klassifikationssystem für nachhaltiges Wirtschaften

Constanze Illner Umwelt

Wie genau definiert sich eigentlich nachhaltiges Wirtschaften? An dieser Frage scheiden sich noch immer die Geister. Eine gemeinsame Sprache in Sachen Nachhaltigkeit ist jedoch die Grundlage für effektives und zielgerichtetes Handeln – daher ist die Nachricht vom 18. Dezember 2019 ein echter Meilenstein für die Zukunft unseres Planeten: Die Europäische Kommission hat die weltweit erste „Green List“ abgesegnet, ein Klassifizierungssystem für nachhaltige ökonomische Aktivitäten, auch Taxonomie genannt.

Die Finanzmärkte spielen eine immens wichtige Rolle in Bezug auf die Klimakrise. Derzeit tragen viele der oftmals rein renditenorientierten Investitionsentscheidungen zum schnellen Fortschreiten des Klimawandels bei – es geht aber auch anders. Die europäische Kommission möchte den Spieß umdrehen und Geldströme so umlenken, dass sie Unternehmen finanzieren, die den Planeten besser machen. Soziale Verantwortung und ökologisches Wirtschaften sollen zu einem Wettbewerbsvorteil werden.

Die neue Taxonomie ist in diesem hochkomplexen Plan eine wichtige Grundlage, denn auf Basis dieser Nachhaltigkeitsdefinition lassen sich Standards und Labels schaffen, die nachhaltige Geldanlagen kennzeichnen, zum Beispiel der Climate Bonds Standard oder der sich derzeit in der Entwicklung befindende Europäischen Green Bond Standard. Die daraus resultierenden einheitlichen, vergleichbaren und transparenten Daten ermöglichen Investoren einen nie dagewesenen Einblick darin, ob ein Investment wirklich nachhaltig ist, oder nicht. Sie sehen: Die Taxonomie ist sehr wichtig, um Kapital für die grüne Transition der Wirtschaft zu aktivieren.

Das sieht auch Valdis Dombrovskis so, europäischer Exekutiv-Vizepräsident für „Eine Wirtschaft im Dienste der Menschen“: „Dieses Gesetz wird eine Wende in Bezug auf die Bekämpfung des Klimawandels markieren, da dadurch Milliarden in umweltfreundliche Investitionen fließen werden. Dank dieser „Green List“ oder Taxonomie haben Anleger und Industrie zum ersten Mal eine Definition des Begriffs „grün“. Diese wird nachhaltigen Investitionen einen echten Schub verleihen – das ist entscheidend, damit der europäische Green Deal Realität wird.

Hintergrund: Europäischer Green Deal

Der europäische Green Deal wurde am 11. Dezember 2019 von der Europäischen Kommission präsentiert. Die neue Wachstumsstrategie zielt darauf ab, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen.

Der Green Deal Investment Plan, der am 14. Januar 2020 präsentiert wurde, soll für diesen Zweck innerhalb der kommenden zehn Jahre mindestens 1 Billionen Euro an nachhaltigen Investments mobilisieren. Dieses Geld soll die öffentlichen und privaten Investitionen ermöglichen, die für die Transition zu einer klimaneutralen, grünen, wettbewerbsfähigen und inklusiven Wirtschaft notwendig sind.

Nun zurück zu der Taxonomie und der Frage, wie „ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten“ jetzt genau definiert werden sollen.

„Ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten“ – Was genau bedeutet das?

Die Taxonomie stellt einen generellen Rahmen dafür auf, was eine „ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivität“ ist. Sie bezieht sich dabei auf sechs ökologische Ziele:

  • Klimaschutz
  • Anpassung an den Klimawandel
  • Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser und Meeresressourcen
  • Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  • Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  • Schutz oder Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme

Die Taxonomie legt des weiteren vier Anforderungen fest, die ökonomische Aktivitäten erfüllen müssen, um als ökologisch nachhaltig zu qualifizieren:

1) Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zu mindestens einem der sechs oben genannten Umweltziele.

2) „Kein wesentlicher Schaden“ für eines der anderen Umweltziele;

3) Übereinstimmung mit soliden und wissenschaftlich fundierten technischen Kriterien; und,

4) Einhaltung der Mindestgarantien für Soziales und Unternehmensführung

Hier können Sie auf die Pressemitteilung der europäischen Kommission zugreifen. Hintergründe zu den europäischen Green Finance Plänen finden Sie hier (englisch). 

Die nächsten Schritte

Im September 2020 wird die Kommission eine erneuerte Sustainable Finance Strategie vorlegen. Hier können Sie das Factsheet: „Financing sustainable growth“ herunterladen.

Der Europäische Green Bond Standard wird wohl in absehbarer Zeit entwickelt. Darüber halten wie Sie in unserem Newsletter auf dem Laufenden.

Was die DQS für Sie tun kann

Die DQS ist weltweit für die Verifizierung von Climate Bonds zugelassen. Hier finden Sie alle wichtigen Information zu dem Standard. Kontaktieren Sie uns gerne bei Fragen.

Veranstaltungstermin

Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft gewinnt immer weiter an Bedeutung. Sustainable Finance gehört daher zu den Kernthemen der Sustainability Heroes Konferenz 2020. Die Nachhaltigkeitskonferenz, organisiert von der DQS und DGQ, findet am 12. Mai 2020 im Maritim Hotel Düsseldorf statt. Sichern Sie sich jetzt Ihren Platz!

Constanze Illner Administrator
Constanze Illner is Research & Communication Officer at DQS CFS GmbH
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