Überarbeitung der universellen GRI-Standards: Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen und ihre Auswirkungen

Dr. Thijs Willaert Soziale Verantwortung, Neuigkeiten, Revisions

Orientiert sich Ihre Organisation bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung an den GRI-Standards? Dann sollten Sie die aktuellen Entwicklungen im Auge behalten! GRI überarbeitet derzeit die universellen Standards, die für Organisationen jeder Art und Größe gelten. Während viele der vorgeschlagenen Änderungen geringfügig sind, gibt es eine Reihe von Modifizierungen, die manche berichterstattende Unternehmen dazu zwingen werden, den Inhalt ihrer Nachhaltigkeitsberichte zu überdenken.

Zur Auffrischung: Das GRI-Framework umfasst zwei Arten von Standards:

  • Die sogenannten universellen Standards, die für alle berichtenden Organisationen gelten (101, 102 und 103).
  • Themenspezifische Standards, die sich auf bestimmte Nachhaltigkeitsthemen wie Menschenrechte, Abfall, Emissionen usw. konzentrieren (Serien 200, 300 und 400).

Derzeit werden die universellen Standards von GRI überarbeitet. Die Revision befindet sich im Moment in der Konsultationsphase. Da die universellen Standards die grundlegenden Prinzipien und Rahmenbedingungen beschreiben, hat ihre Änderung weitreichende Auswirkungen – auch auf die themenspezifischen Standards. In diesem Artikel werden wir Ihnen die wichtigsten Änderungen vorstellen.

Auswirkungen und der Begriff der Wesentlichkeit

Eines der Schlüsselkonzepte der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die „Wesentlichkeit“: Mit dem Begriff ist gemeint, dass sich Berichte auf die Themen konzentrieren müssen, die für die Nachhaltigkeitsleistung der berichtenden Organisation am relevantesten sind. Viele Nachhaltigkeitsberichte nach den GRI Standards enthalten eine Wesentlichkeitsmatrix, die die Relevanz und Priorität der spezifischen Nachhaltigkeitsthemen angibt. Beispielsweise geben Unternehmen in der Öl- und Gasindustrie Emissionen wahrscheinlich als eines der wichtigsten Themen an, während sich Unternehmen in der Dienstleistungsbranche möglicherweise mehr auf soziale Aspekte wie das Wohlbefinden der Mitarbeiter konzentrieren.

Es gibt jedoch unterschiedliche Ansätze zur Definition der Wesentlichkeit. Viele Unternehmen ordnen die Themen immer noch auf zwei Achsen:

  • Relevanz für Stakeholder und
  • Relevanz für das Unternehmen.

Zu beachten ist allerdings, dass dieser Ansatz nicht den GRI-Standards entspricht. Die Definition in GRI 101 hat ebenfalls zwei Achsen, sie werden jedoch anders definiert, nämlich:

  • Einfluss auf die Entscheidungen der Interessengruppen und
  • Erheblichkeit der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen.

Die folgende Grafik stammt aus GRI 101, Version 2016:

Die überarbeitete Version konzentriert sich hingegen lediglich auf die horizontale Achse. Gemäß der neuen Definition ist ein wesentliches Thema ein „Thema, das die erheblichsten Auswirkungen der Organisation auf Wirtschaft, Umwelt und Menschen widerspiegelt, einschließlich der Auswirkungen auf die Menschenrechte“.

Wie wird sich diese Änderung auf die Praxis auswirken? Der Fokus wird sich vollständig auf die Auswirkungen verlagern: Die berichtenden Organisationen müssen sicherstellen, dass sie ihre tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft verstehen. Natürlich müssen Stakeholder immer noch einbezogen werden. Dabei ist das Ziel jedoch nicht, die Prioritäten der Stakeholder zu verstehen, sondern es geht es darum, Informationen und Perspektiven zu sammeln, die zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen des Unternehmens beitragen.

Auswirkungen und Due Diligence

Dieser Fokus auf die Auswirkungen bedeutet, dass berichtende Organisationen einen Prozess etablieren müssen, um ihre Auswirkungen zu identifizieren und zu verwalten. Hier kommt das Konzept der Due Diligence ins Spiel. Der Begriff, der in der ersten Version des Standards fast gänzlich fehlt, steht nun im Mittelpunkt. Due Diligence wird definiert als „Prozess, durch den eine Organisation ihre tatsächlichen und potenziell negativen Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Menschen identifiziert, verhindert, mildert und darüber Rechenschaft ablegt.“

Eines der wichtigsten Themen, die berichterstattende Unternehmen in ihrem Due-Diligence-Ansatz offenlegen müssen, sind die Auswirkungen auf die Menschenrechte. Wie bereits im DQS Blog beschrieben, arbeiten viele Länder daran, die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht verpflichtend zu machen (Link, Link). Die Aktualisierung der GRI-Standards gewährleistet somit eine bessere Angleichung an die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte und die diversen nationalen Gesetzesinitiativen.

Die Unterscheidung zwischen Kern- und umfassende Berichterstattung entfällt

Eine weitere bemerkenswerte Änderung besteht darin, dass die Unterscheidung wegfällt zwischen einer Berichterstattung die nur Kernangaben behandelt (Core) und einer umfassenden Berichterstattung (Comprehensive). Diese Änderung bedeutet, dass berichtende Organisationen bei allen als wesentlich eingestuften Themen alle Angaben machen müssen.

Branchenspezifische Standards

Neben den universellen Standards und den themenspezifischen Standards entwickelt GRI auch branchenspezifische Standards. Diese enthalten keine neuen Angaben, helfen Unternehmen jedoch bei der Bestimmung ihrer wesentlichen Themen. Die sektorspezifischen Standards identifizieren und beschreiben die wichtigsten wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Sektors und legen so den Kontext für die Berichterstattung fest.

Der erste sektorspezifische Standard für die Öl- und Gasindustrie wird im Laufe des Jahres 2020 veröffentlicht. Ein zweiter Standard für den Agrarsektor soll in Kürze folgen.

Wie die DQS Ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung unterstützen kann: 

Als unabhängiger Prüfungs- und Assurance-Dienstleister können wir Ihre Prozesse zur Nachhaltigkeitsberichterstattung mit folgenden Dienstleistungen unterstützen:

– Schulung: DQS ist ein zertifizierter GRI-Schulungsanbieter
– Unabhängige Prüfung und Verifizierung: Wir sind ein AA1000-lizenzierter Assurance Provider für Nachhaltigkeitsberichte (weitere Informationen).
– Überprüfung der Nachhaltigkeits-KPIs (weitere Informationen)

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Dr. Thijs Willaert Administrator
Dr. Thijs Willaert is Director of Marketing & Communication at DQS CFS GmbH
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