IFS Rezertifizierung – Was tun, wenn kein vor-Ort-Audit stattfinden kann?

Constanze Illner Lebensmittelsicherheit & Hygiene, Neuigkeiten

Ein IFS Zertifikat hat eine Gültigkeit von maximal 12 Monaten. Um vor Ablauf ein neues Zertifikat zu erhalten, muss ein Audit vor-Ort stattfinden. In Zeiten von COVID-19 ist ein solches Audit bei einigen Standorten jedoch nicht möglich. Welche Optionen betroffene Standorte haben, erfahren Sie im Folgenden.

„Dieses zertifizierte Unternehmen kann ein sicheres Produkt nach Kundenvorgaben herstellen“ – das ist der Leitsatz vom IFS. Um diesem Satz treu zu bleiben, hat sich der IFS entschieden, keine vollständig remote Auditoption einzuführen. Denn durch eine remote Beurteilung kann laut dem IFS keine verlässliche Aussage zu den Punkten „Hygiene und gute Herstellungspraxis“ getroffen werden. Bei Standorten, die aufgrund der COVID-19 Pandemie externen Personen keinen Eintritt gewähren können, führt diese Haltung zu Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung des IFS-Zertifikats. Das weiß auch der IFS und hat aus diesem Grund ein Dokument veröffentlicht, das den IFS Ansatz in Bezug auf COVID-19 erläutert.

Was tun, wenn kein vor-Ort-Audit stattfinden kann?

Wenn das Standardverfahren nicht eingehalten werden kann, empfiehlt der IFS folgende Schritte zu befolgen:

  1. Überprüfung von Fall zu Fall

Der IFS verlängert das IFS Zertifikat nicht, wenn ein planmäßiges Rezertifizierungsaudit nicht möglich ist. In diesem Fall empfiehlt der IFS dringend, dass das Unternehmen, dessen Zertifikat abläuft, seine Kunden und die Zertifizierungsstelle kontaktiert, um zu besprechen, wie mit der Situation umzugehen ist.

  1. Transparenz in der IFS Datenbank

Der IFS unterstützt diesen Prozess, indem er die notwendige Transparenz über den Status des IFS Zertifikats in der IFS Datenbank gewährt. Zu Beginn der COVID-19 Pandemie implementierte der IFS eine COVID-19-Benachrichtigungsfunktion in der IFS Datenbank, um Audits zu identifizieren, die aufgrund von COVID-19 nicht stattgefunden haben und verschoben wurden. Die COVID-19 Benachrichtigung wird von der für das Audit zuständigen Zertifizierungsstelle durchgeführt. Dadurch wird Transparenz über die von der COVID-19 Pandemie betroffenen Zertifikate und Audits geschaffen.

  1. Risikobewertung durch IFS Remote Surveillance Check

Für den Fall, dass ein Zertifikat ausläuft, empfiehlt der IFS, dass Lieferanten und Kunden eine Risikobewertung durchführen und auf dieser Grundlage entscheiden, wie sie die Zusammenarbeit und die Lieferkette aufrechterhalten wollen. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Durchführung der Risikobewertung ist die grundsätzliche Überlegung, ob die Zusammenarbeit zwischen Lieferant und Kunde auch ohne IFS Zertifikat fortgesetzt werden kann. Wichtige Faktoren die in diese Überlegung einfließen sollten sind die Anzahl der Rückrufe, die Qualität der Zusammenarbeit und viele weitere Punkte, die nur Lieferanten und Kunden gemeinsam beantworten können.

Das IFS Zertifikat ist ein wichtiger Teil der Zusammenarbeit, aber es ist nicht das einzige Kriterium dafür, ob eine Lieferbeziehung funktioniert. Nach einer gründlichen Risikobewertung besteht die Möglichkeit, eine COVID-19 Benachrichtigung zu einem ablaufenden Zertifikat hinzuzufügen. Das abgelaufene Zertifikat wird weiterhin sichtbar sein.

Zusätzlich bietet der IFS ein IFS Remote Surveillance Check Tool für diese Risikobewertung an. Es handelt sich dabei um eine freiwillige Option, die nicht akkreditiert und von der GFSI nicht anerkannt ist. Dabei werden die wichtigsten Dokumente des Managementsystems auf Remote Basis überprüft. Alle wichtigen Informationen zum IFS Remote Surveillance Check finden Sie hier.

  1. Unangekündigter GMP Check

Die entscheidende Frage, ob ein Hersteller ein sicheres Produkt nach Kundenspezifikationen herstellen kann, ist und bleibt der Schwerpunkt von guter Herstellungspraxis und Hygiene in der Lebensmittelproduktion. Die überwiegende Mehrheit der Lebensmittelhersteller hat ihre Produktion während der COVID-19 Pandemie aufrechterhalten. Rohstoffe werden angeliefert, und externes Personal hat Zugang zu den Produktionsanlagen, um die Ausrüstung zu warten oder Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen durchzuführen. Daher ist es im Allgemeinen möglich, dass die Anlagen unter Berücksichtigung der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen besichtigt werden können. In solchen Fällen kann auch eine Auditorin/ein Auditor einen Besuch durchführen, um sich ein Bild von Produktionsanlagen zu machen und um zu überprüfen, ob die Grundsätze von guter Herstellungspraxis und Hygiene eingehalten werden.

Zu diesem Zweck bietet der IFS einen unangekündigten GMP Check an. Es handelt sich um eine freiwillige, nicht akkreditierte und von der GFSI nicht anerkannte Option, bei der die Einhaltung guter Herstellungspraxis und Hygiene in der Produktion überprüft wird. Der GMP Check beantwortet die Frage, ob die Produktion sicher ist. Für die Durchführung eines unangekündigten GMP Checks des IFS muss nur das Personal im Produktionsbereich anwesend sein, sowie die Mitarbeiter, die die Produktion leiten. Der unangekündigte GMP Check ist eine mögliche Option, wenn ein vollständiges IFS Zertifizierungsaudit nicht stattfinden kann, z.B., weil entscheidende Mitarbeiter*innen mit Zugang zu Dokumenten und Aufzeichnungen von zu Hause aus arbeiten.

  1. Bewertung der IFS Zertifizierung

Sobald normale Audits und Zertifizierungen nach IFS Standards/Programmen möglich sind, empfiehlt der IFS nachdrücklich die Durchführung eines vollständigen IFS Zertifizierungsaudits.

Das vollständige Dokument zum IFS Ansatz in Bezug auf COVID-19 können Sie hier einsehen.

Alle Informationen zu den Remote Audit Optionen des IFS finden Sie hier.

Weiterführende Informationen

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Constanze Illner Administrator
Constanze Illner is Research & Communication Officer at DQS CFS GmbH
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